Konzept

Auf den folgenden Seiten gibt’s jede Menge Infos zu moving times. Da das Projekt jedoch so ungewöhnlich und vielfältig ist, lässt es sich eigentlich kaum komplett beschreiben… Wer mehr wissen will, sollte daher nicht zögern, persönlich mit uns Kontakt aufzunehmen.

  • moving times ist ein Projekt für 18- bis 25-Jährige – sozusagen ein „persönliches Wintersemester”.
  • Er findet jährlich von November bis März statt.
  • 20 sehr unterschiedliche junge Erwachsene nehmen daran teil.
  • Sie leben und lernen in diesem Zeitraum gemeinsam in den Gebäuden des
    Evangelischen Bildungszentrums Hermannsburg.
  • Das Programm ist ganztägig und wird ganz stark von den Teilnehmenden selbst
    mitgestaltet: Der Kurs ist ihr Projekt.
  • Inhaltliche Schwerpunkte sind: Beruf und Bewerbung, Politik und Soziales, Psychologie
    und Kommunikation, Sinn und Spiritualität sowie Kultur und Abenteuer.

Details

moving times ist ein vielseitiges Bildungsprojekt. Es hält sehr viele Facetten und Möglichkeiten bereit. Deshalb lässt es sich kaum auf einen einzigen Begriff bringen. Ein durchgängiger Kern lässt aber dennoch benennen: moving times steht für entdecken – entwickeln – entscheiden!

Das ist der springende Punkt: Entdecke und entwickle, was in dir steckt! Und triff dann Entscheidungen, damit du in der Lage bist, „die Welt zu bewegen“!

entdecken

Es gibt so viel zu entdecken: Worin bin ich gut? Welche Talente liegen da vielleicht noch verborgen und  wollen ans Licht? Wie sehen mich die anderen, was trauen die mir zu?  Was sind meine tieferen Sehnsüchte und Hoffnungen, die mich antreiben? Wofür möchte ich stehen und einstehen? Was kann ich in meinem Leben bewirken? Wofür lohnt es sich, sich in der Gesellschaft zu engagieren? Und was ist für mich die richtige Berufsrichtung, das richtige Studium?

moving times lädt dich ein zu deiner Entdeckungsreise!

entwickeln

Persönlichkeit entwickelt sich nicht von allein weiter, sondern in der Bewegung, durch Auseinandersetzung und Handeln in gemeinsamen Projekten, durch vertrauensvolle Gespräche, wertschätzende Rückmeldung und Selbstreflexion.

moving times gibt deiner persönlichen Entwicklung einen kräftigen Rückenwind: für Inspiration und Selbstbewusstsein, für Vertrauen, eigene Haltungen und klare Zielen.

entscheiden

Entscheidungsschwierigkeiten sind weit verbreitet – kein Wunder, bei den vielen Optionen, die theoretisch da sind. Sich vor Entscheidungen zu drücken, lähmt aber und erzeugt schlechte Gefühle. Hast du deine Entscheidung erst getroffen, werden Kräfte frei. Du fokussierst deine Power und kannst durchstarten.

moving times hilft dir, zu eigenen Entscheidungen zu kommen:  Welcher Beruf? Welches Studium? In welcher Stadt? Von zu Hause ausziehen? In einer WG leben? Wie weiter in der Beziehung? Welches aufgeschobene Problem ist zu lösen? … Auch ganz konkret: Was ist mein Plan für die nächsten Monate? Was sind die nächsten Schritte? Und wie gehe ich sie im Detail an?

Und noch ein Grundgedanke …

Schule, Ausbildung und Studium vermitteln nicht selten etwas Freudloses. Da geht es oftmals um einen gesellschaftlichen Druck, der das Funktionieren trainiert und der dazu antreibt, den „Lebens-Lauf“ schnell und fremdbestimmt zu absolvieren.

moving times wirbt für eine andere Logik, die im Übrigen in den skandinavischen Ländern, wo das Bildungskonzept entstanden ist, eine echte Breitenwirkung erzeugt hat:

Gönne dir die beste Zeit deines Lebens!

Lebe wesentlich statt gelebt zu werden.

Denke selbst.

Erkenne deinen Rhythmus, deine Lebensmelodie, deine Berufung.

Und lass dich ruhig auch mal auf einen vermeintlichen Umweg ein. Denn: „Wer nie vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke.“

Vielfalt ist ein Markenzeichen von moving times – das gilt auch für die Teilnehmenden selbst: Mal hört man einen bayrischen, mal einen sächsischen, norddeutschen oder Ruhrpott-Slang. Einige Kursteilnehmer kommen aus anderen Ländern, z.B. Russland oder Südafrika. Die Schulabschlüsse, die religiösen Prägungen, die Musik-Vorlieben, die politischen Ansichten – all das ist überhaupt nicht einheitlich. In dieser Vielfalt liegen unermessliche Chancen, voneinander zu lernen.

Auch die Motive zur Teilnahme überlagern sich vielschichtig:

  • Manche wollen sich über die ureigenen Lebensziele, ihre Berufswünsche oder ihre noch schlummernden Talente klarer werden.
  • Bei vielen steht die Lust im Vordergrund, eine ganz intensive, emotionale, unvergessliche Zeit mit Gleichaltrigen zu verbringen.
  • Einige haben sich ganz bewusst für ein Gap Year entschieden, um nach einem Ausbildungsabschnitt (z.B. nach dem Abi, der Berufsausbildung oder dem Bachelor) erst mal „über den Tellerrand zu schauen“, sich umfassender zu orientieren und nicht sofort wieder im nächsten „Hamsterrad“ festzusitzen.
  • Andere nehmen sich dieses knappe halbe Jahr, um sich nach einer besonderen biographischen Erfahrung (z.B. Studienabbruch) neu auszurichten.
  • Einzelne, die den erträumten Ausbildungs-, Arbeits- oder Studienplatz im ersten Anlauf nicht erhalten haben, nutzen moving times als eine geniale Überbrückungs- und Qualifizierungsmöglichkeit.
  • Manche kommen direkt von der Schule, andere haben eine Ausbildung fertig, und etliche haben bereits einige Studiensemester hinter sich.

moving times ist ein spannendes Gemeinschaftsexperiment, das etwas in dir in Bewegung setzt.

Du lebst ein paar Monate lang in einer bunt gemischten Gruppe von rund 20 jungen Leuten. Du wohnst mit den anderen Tür an Tür zusammen und teilst mit ihnen Aktivitäten, Alltag, Abenteuer, Glück und Frust. Ein bisschen Hogwarts-Gefühl.

So lernst du die anderen ziemlich gut kennen und musst dich mit ihnen und mit dir selbst auseinandersetzen. Du erfährst viel von den Stärken und von den Schattenseiten deiner Mitbewohner – und auch sehr viel über dich selbst. In dieser echten Begegnung brechen mitunter Momente tiefer Berührung auf. Vertrauen und tiefe Freundschaften entstehen.

Das „Leben und Lernen unter einem Dach” wird für die meisten Teilnehmenden – so wird es uns im Rückblick oft berichtet – eine der prägendsten und stärksten Erfahrungen im Leben überhaupt.

Bereits im 19. Jahrhundert entwickelte sich mit der dänischen „Folkehøjskole” die Urform von moving times.

Die Folkehøjskole-Bewegung prägte fortan Kultur und Gesellschaft in ganz Skandinavien – bis heute hin. Die entscheidenden Anstöße zu dieser Entwicklung gab der dänische Theologe und Pädagoge Grundtvig (1783–1872). Er stand dem damaligen Bildungsbetrieb äußerst kritisch gegenüber. Der akademischen Bildung warf er vor, sie sei trocken, blutleer und lebensfern. Er nannte sie eine „Schule zum Tode“ und forderte eine „Schule für das Leben”. Diese sollte, wie er das damals nannte, eine Schule des „lebendigen Wortes” sein, eben keine Buch- und Paukschule. Das Leben in seiner Vielfalt, die Fülle der Lebenserfahrungen sollten zur Sprache kommen, reflektiert werden, zum Lernen anregen und zum Zusammenleben befähigen. (nach: Ev. Heimvolkshochschulen, hg. vom Arbeitskreis Ev. Heimvolkshochschulen im Verband ländlicher Heimvolkshochschulen Deutschlands, 1987)

Weitere Infos zu den skandinavischen Wurzeln von „moving times”:
1. „Grundtvig” (Wikipedia)
2. „Bildung a la Dänemark – lerne lieber ungewöhnlich” (Unispiegel)
3. „Die dänische Folkehøjskole – ein Beispiel”

Mit der Gründung einer Reihe von Heimvolkshochschulen schwappte nach dem Ersten Weltkrieg dieser Bildungsansatz auch nach Deutschland hinüber. Er setzte sich hier aber im Vergleich zu Skandinavien in der Breite lange nicht so stark durch. Der erste Winterkurs in Hermannsburg startete vor nahezu 100 Jahren am 2. November 1919. Georg Haccius, Gründer des heutigen Evangelischen Bildungszentrums Hermannsburg (früherer Name: Niedersächsische Lutherische Heimvolkshochschule Hermannsburg), formulierte damals das Ziel:

„Wir wollen junge Menschen ermutigen, Vertrauen zu wagen und für sich und andere Verantwortung zu übernehmen.”

Viele Generationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben den Kurs seitdem immer wieder neu gestaltet, und viele Generationen von jungen Menschen haben daran teilgenommen. Sehr viele von ihnen fühlen sich bis heute mit der Einrichtung verbunden. Auffällig ist, dass sich überdurchschnittlich viele der ehemaligen Kursteilnehmer hauptberuflich oder ehrenamtlich im sozialen, kirchlichen, ökologischen und politischen Bereich engagieren.

Dazu soll der Winterkurs auch in Zukunft ermutigen. Und für diese gemeinwohlorientierte Ausrichtung wurde „moving times” vor einigen Jahren sogar mit einer bundesweit beachteten Auszeichnung geehrt. Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen” (mit dem Bundespräsidenten als Schirmherr) verlieh uns den Titel „Ausgewählter Ort im Land der Ideen”. Hervorgehoben wurde der „zukunftsorientierte, originelle, dem Gemeinwohl verpflichtete” Charakter dieses Projekts.

… der Markenname

In der Bezeichnung „moving times” klingen gleich mehrere Bedeutungsnuancen an. Sie finden sich alle im Gesamtkonzept des Kurses wieder. Vielleicht kann man die verschiedenen Aspekte so zu einem Satz bündeln:

In den bewegten Zeiten des Übergangs zum Erwachsensein und inmitten einer sich schnell verändernden Welt eine persönliche, eine motivierte Eigenzeit, eine Zeit für Inspiration und Veränderung gestalten, gemeinsam eine bewegende Zeit erleben und die eigenen Fähigkeiten vertiefen, sich aktiv einzumischen, also die Zeiten zu verändern.