Konzept

Auf den folgenden Seiten gibt’s jede Menge Infos zu moving times. Da das Projekt jedoch so ungewöhnlich und vielfältig ist, lässt es sich eigentlich kaum komplett beschreiben… Wer mehr wissen will, sollte daher nicht zögern, persönlich mit uns Kontakt aufzunehmen.

  • moving times ist ein Projekt für 18- bis 25-Jährige – sozusagen dein „persönliches Wintersemester”.
  • Er findet jährlich von vom 6. November 2022 bis 17. März 2023 statt.
  • 20 sehr unterschiedliche junge Erwachsene nehmen daran teil.
  • Sie leben und lernen in diesem Zeitraum gemeinsam in den Gebäuden des Evangelischen Bildungszentrums Hermannsburg.
  • Das Programm ist ganztägig und wird ganz stark von den Teilnehmenden selbst
    mitgestaltet: Der Kurs ist ihr Projekt.
  • Inhaltliche Schwerpunkte siehe Programm

moving times ist ein vielseitiges Bildungsprojekt. Es hält sehr viele Facetten und Entwicklungsmöglichkeiten bereit. Deshalb lässt es sich kaum auf einen einzigen Begriff bringen. Ein durchgängiger Kern lässt aber dennoch benennen: moving times steht für entdecken – entwickeln – entscheiden!

Das ist der springende Punkt: Entdecke und entwickle, was in dir steckt! Und triff Entscheidungen, um „die Welt zu bewegen“!

entdecken

Es gibt so viel zu entdecken: Worin bin ich gut? Welche Talente liegen da vielleicht noch verborgen und  wollen ans Licht? Wie sehen mich die anderen, was trauen die mir zu?  Was sind meine tieferen Sehnsüchte und Hoffnungen, die mich antreiben? Wofür möchte ich stehen und einstehen? Was kann ich in meinem Leben bewirken? Wofür lohnt es sich, sich in der Gesellschaft zu engagieren? Und was ist für mich die richtige Berufsrichtung, das richtige Studium?

moving times lädt dich ein zu deiner Entdeckungsreise!

entwickeln

Eine starke Persönlichkeit entwickelt sich nicht von allein weiter, sondern in der Bewegung, durch Auseinandersetzung und Handeln in gemeinsamen Projekten, durch vertrauensvolle Gespräche, wertschätzende Rückmeldung und Selbstreflexion.

moving times gibt deiner persönlichen Entwicklung einen kräftigen Rückenwind: für Inspiration und Selbstbewusstsein, für Vertrauen, eigene Haltungen und klare Ziele.

entscheiden

Entscheidungsschwierigkeiten sind weit verbreitet – kein Wunder, bei den vielen Optionen, die theoretisch da sind. Sich vor Entscheidungen zu drücken, lähmt aber und erzeugt schlechte Gefühle. Hast du deine Entscheidung erst getroffen, werden Kräfte frei. Du fokussierst deine Power und kannst durchstarten.

moving times hilft dir, zu eigenen Entscheidungen zu kommen:  Welcher Beruf? Welches Studium? In welcher Stadt? Von zu Hause ausziehen? In einer WG leben? Wie weiter in der Beziehung? Welches aufgeschobene Problem ist zu lösen? … Auch ganz konkret: Was ist mein Plan für die nächsten Monate? Was sind die nächsten Schritte? Und wie gehe ich sie im Detail an?

Und noch ein Grundgedanke …

Schule, Ausbildung und Studium vermitteln nicht selten etwas Freudloses. Da geht es oftmals um einen gesellschaftlichen Druck, der das Funktionieren trainiert und der dazu antreibt, den „Lebens-Lauf“ schnell und fremdbestimmt zu absolvieren.

moving times wirbt für eine andere Logik, die im Übrigen in den skandinavischen Ländern, wo das Bildungskonzept entstanden ist, eine echte Breitenwirkung erzeugt hat:

Gönne dir die beste Zeit deines Lebens!

Lebe wesentlich statt gelebt zu werden.

Denke selbst.

Erkenne deinen Rhythmus, deine Lebensmelodie, deine Berufung.

Und lass dich ruhig auch mal auf einen vermeintlichen Umweg ein. Denn: „Wer nie vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke.“

Moving times bietet dir von früh bis Abends eine gute Mischung aus verbindlichem Programm und Zeit für persönliche Dinge. Das Moving-times-team gestaltet in Absprache mit den Kursteilnehmenden bestimmte Inhalte, die ihnen wichtig erscheinen. Zusätzlich spielen externe Fachreferentinnen und –referenten eine Rolle. Das Programmangebot wird dadurch sehr vielfältig. Es variiert von Kurs zu Kurs je nach Interessenlage der Gruppe, und zwar in dem Maße, wie die Teilnehmenden ihre eigenen Ideen einbringen.

Kennzeichnend ist ein erfahrungsorientiertes Miteinander: viel Praxis, Trainings, Lernprojekte, szenisches Spiel, Übungen, Experimente und Exkursionen.

Zum Kurskonzept gehört, dass die Teilnehmenden sich mit ihren Fähigkeiten aktiv in den Kurs einbringen. Ein Beispiel: Beim „Peer-Teaching“ bieten Kursteilnehmer freiwillige AG s an, die sie auch leiten – einen Gitarrenkurs, Spanisch für Anfänger, Kreatives Schreiben, was auch immer. Die Verantwortung für die Vielseitigkeit und den Erfolg des Kurses liegt somit bei allen Beteiligten.

Konflikte, die im Zusammenleben auftreten, werden nicht ausgeklammert, sondern als Lernchancen gesehen.

In Einzelgesprächen besteht die Chance, individuelle Ziele und Aktivitäten zu vereinbaren und persönliche Themen zu besprechen.

Anders als in der Schule gibt es im Winterkurs keinen 45-Minuten-Takt und keine Schulklingel. Viele Angebote finden über einen vollen Vormittag oder vollen Nachmittag statt, so dass es möglich ist, sich wirklich in ein Thema zu vertiefen.

Durch feste Essenszeiten erhält der Tagesablauf im Bildungszentrum eine klare Struktur. Der Wochenplan ist dagegen sehr variabel und nahezu jede Woche anders, da einige Angebote ganztägig oder mehrtägig im Block stattfinden.

Über Weihnachten und Silvester gibt es eine etwa zweiwöchige Kurspause.

Hier eine kleine Auswahl von möglichen Themen und Aktivitäten die es geben könnte:

  • Selbstmarketing
  • Qualifizierter Berufseignungstest (Geva-Institut) und Berufsfindungsberatung
  • Meine Geschichte und wie ich Beziehungen lebe
  • Lebenskunst und Lebensstil
  • Möglichkeit von Schnuppertagen in Betrieben und Hochschulen
  • Bewerbungstraining, u.a. mit Personalern aus verschiedenen Betrieben
  • Sport (feste Sporthallenzeit)
  • Sich Wirksam engagieren
  • Konfliktbearbeitung und Gewaltdeeskalationstraining
  • Outdoor-Aktionen (u.a. Hoch- und Niedrigseilgarten, ggf. Trekking)
  • Selbstmanagement
  • Teamtraining und Beziehungen gestalten
  • Kommunikation und Gesprächsführung
  • Glück und Sinn erleben
  • Achtsamkeitstraining im Kloster
  • Wert-voll leben
  • Rhetoriktraining
  • Eigenes Theaterprojekt
  • Künstlerische Praxis und Handwerk

 Diese Themen und viele weitere,  verbergen sich in den fünf Themenschwerpunkten des Projektes:

  • 06.-25.11.2022:             Ich und die anderen
  • 28.11.-22.12.2022:       Demokratie leben – Konflikte lösen
  • 05.-27.01.2023:             Verantwortung übernehmen
  • 30.01.-24.02.2023:       Auftreten und den Mund aufmachen
  • 27.02.-17.03.2023:       Zusammenleben – die Zukunft gestalten

Was bringt dir die Teilnahme an moving times?

Wegen der Dichte und Vielschichtigkeit der Erfahrungen, die man hier macht, ist es gar nicht so einfach, das zu beschreiben. Wir versuchen es trotzdem:

Du wirst hier angeregt,

  • den „roten Faden“ deines Lebens, also deine bisherige biographische Entwicklung, was dich geprägt hat und ausmacht, zu reflektieren.
  • deine Stärken und Wirksamkeiten (noch deutlicher) zu sehen und in die Waagschale zu werfen.
  • die Motive zu identifizieren, die aus deinen inneren Kraftquellen kommen und dich produktiv antreiben.
  • deinen „inneren Kompass“ zu justieren, also Herzenswünsche, Visionen, Werte, Entwicklungsrichtungen, Ziele für dein zukünftiges Leben zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
  • dich damit auseinanderzusetzen, wie du dich in der Welt, in der Gesellschaft, im Beruf, in deinem persönlichen Umfeld wirksam engagieren kannst, um etwas „zum Guten“ zu verändern.
  • intensive Erfahrungen im demokratischen Zusammenleben mit Gleichaltrigen zu sammeln.

Am Ende von moving times …

  • weißt du, wo du beruflich einmal hinwillst.
  • siehst du, was in dir steckt und worin du richtig gut bist, welche Werte dir wichtig sind und wofür du dich einsetzen willst.
  • bist du noch einmal ein gutes Stück selbstsicherer geworden und hast an Ausstrahlung gewonnen.
  • hast du es drauf in Sachen Kommunikation und Gesprächsführung, Team- und Projektentwicklung.
  • sagst du: „Hier habe ich richtig gute Freunde gefunden. Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens!“

Fairerweise muss angemerkt werden: Das gilt nicht automatisch für jede*n, der/die teilnimmt, aber für sehr viele.

Vielfalt ist ein Markenzeichen von moving times – das gilt auch für die Teilnehmenden selbst: Mal hört man einen bayrischen, mal einen sächsischen, norddeutschen oder Ruhrpott-Slang. Einige Kursteilnehmer kommen aus anderen Ländern, z.B. Russland oder Südafrika. Die Schulabschlüsse, die religiösen Prägungen, die Musik-Vorlieben, die politischen Ansichten – all das ist überhaupt nicht einheitlich. In dieser Vielfalt liegen unermessliche Chancen, voneinander zu lernen.

Auch die Motive zur Teilnahme überlagern sich vielschichtig:

  • Manche wollen sich über die ureigenen Lebensziele, ihre Berufswünsche oder ihre noch schlummernden Talente klarer werden.
  • Bei vielen steht die Lust im Vordergrund, eine ganz intensive, emotionale, unvergessliche Zeit mit Gleichaltrigen zu verbringen.
  • Einige haben sich ganz bewusst für ein Gap Year entschieden, um nach einem Ausbildungsabschnitt (z.B. nach dem Abi, der Berufsausbildung oder dem Bachelor) erst mal „über den Tellerrand zu schauen“, sich umfassender zu orientieren und nicht sofort wieder im nächsten „Hamsterrad“ festzusitzen.
  • Andere nehmen sich dieses knappe halbe Jahr, um sich nach einer besonderen biographischen Erfahrung (z.B. Studienabbruch) neu auszurichten.
  • Einzelne, die den erträumten Ausbildungs-, Arbeits- oder Studienplatz im ersten Anlauf nicht erhalten haben, nutzen moving times als eine geniale Überbrückungs- und Qualifizierungsmöglichkeit.
  • Manche kommen direkt von der Schule, andere haben eine Ausbildung fertig, und etliche haben bereits einige Studiensemester hinter sich.

Bereits im 19. Jahrhundert entwickelte sich mit der dänischen „Folkehøjskole” die Urform von moving times.

Die Folkehøjskole-Bewegung prägte fortan Kultur und Gesellschaft in ganz Skandinavien – bis heute hin. Die entscheidenden Anstöße zu dieser Entwicklung gab der dänische Theologe und Pädagoge Grundtvig (1783–1872). Er stand dem damaligen Bildungsbetrieb äußerst kritisch gegenüber. Der akademischen Bildung warf er vor, sie sei trocken, blutleer und lebensfern. Er nannte sie eine „Schule zum Tode“ und forderte eine „Schule für das Leben”. Diese sollte, wie er das damals nannte, eine Schule des „lebendigen Wortes” sein, eben keine Buch- und Paukschule. Das Leben in seiner Vielfalt, die Fülle der Lebenserfahrungen sollten zur Sprache kommen, reflektiert werden, zum Lernen anregen und zum Zusammenleben befähigen. (nach: Ev. Heimvolkshochschulen, hg. vom Arbeitskreis Ev. Heimvolkshochschulen im Verband ländlicher Heimvolkshochschulen Deutschlands, 1987)

Weitere Infos zu den skandinavischen Wurzeln von „moving times”:
1. „Grundtvig” (Wikipedia)
2. „Bildung a la Dänemark – lerne lieber ungewöhnlich” (Unispiegel)
3. „Die dänische Folkehøjskole – ein Beispiel”

Mit der Gründung einer Reihe von Heimvolkshochschulen schwappte nach dem Ersten Weltkrieg dieser Bildungsansatz auch nach Deutschland hinüber. Er setzte sich hier aber im Vergleich zu Skandinavien in der Breite lange nicht so stark durch. Der erste Winterkurs in Hermannsburg startete vor über 100 Jahren am 2. November 1919. Georg Haccius, Gründer des heutigen Evangelischen Bildungszentrums Hermannsburg (früherer Name: Niedersächsische Lutherische Heimvolkshochschule Hermannsburg), formulierte damals das Ziel:

„Wir wollen junge Menschen ermutigen, Vertrauen zu wagen und für sich und andere Verantwortung zu übernehmen.”

Viele Generationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben den Kurs seitdem immer wieder neu gestaltet, und viele Generationen von jungen Menschen haben daran teilgenommen. Sehr viele von ihnen fühlen sich bis heute mit der Einrichtung verbunden. Auffällig ist, dass sich überdurchschnittlich viele der ehemaligen Kursteilnehmer hauptberuflich oder ehrenamtlich im sozialen, kirchlichen, ökologischen und politischen Bereich engagieren.

Dazu soll der Winterkurs auch in Zukunft ermutigen. Und für diese gemeinwohlorientierte Ausrichtung wurde „moving times” vor einigen Jahren sogar mit einer bundesweit beachteten Auszeichnung geehrt. Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen” (mit dem Bundespräsidenten als Schirmherr) verlieh uns den Titel „Ausgewählter Ort im Land der Ideen”. Hervorgehoben wurde der „zukunftsorientierte, originelle, dem Gemeinwohl verpflichtete” Charakter dieses Projekts.