Fay Cordruwisch

Der Winterkurs lässt sich in meinen Augen am besten als „Insel-Erlebnis“ beschreiben: Für manche war er Rettung nach einem Schiffbruch, für viele zumindest Zuflucht bei stürmischem Seegang und für alle Verschnaufen auf der Suche nach Orientierung auf dem weiten Meer. So auch für mich. In aller Ruhe und Sicherheit konnten wir alle miteinander, aber auch jeder für sich entdecken, was die Insel für uns bereithielt:
Zunächst eine bunt zusammengewürfelte Mischung von jungen Leuten, die sich unter „normalen“ Umständen wahrscheinlich nie so nahe gekommen wären. Abenteuer und Austesten von eigenen Grenzen. Neue Blickwinkel. Ausleben von bekannten und Entdecken von neuen, verborgenen Talenten. Bewältigung von kleinen und größeren Herausforderungen und Problemen. Bei allem half das „Insel-Dasein“. Einmal, um mit Abstand all das zu betrachten, was einen sonst beschäftigt, Angst oder Sorgen bereitet. Und dann, weil die alltägliche Ablenkung fehlte, die davon abhält sich konzentriert mit genau dem auseinanderzusetzen.
Trotz allen Vorteilen wird nach einer Weile klar, dass die Insel einfach etwas anderes als das Festland und das „wirkliche Leben da draußen“ ist. Und nach fünf Monaten wünscht sich der Großteil der Inselbesucher alias Winterkursler, sich gestärkt aus der Isolation und in das weniger behütete, eigenverantwortlich zu gestaltende Leben zu stürzen. Die Insel wird allen als besondere Phase des Lebens und Ort des Kraftschöpfens in Erinnerung bleiben.

Fay Cordruwisch aus Göttingen, Winterkurs 2005/2006